
Polymetrisch werden zwei Rhythmen genannt, die trotz unterschiedlicher Notenwerte zeitgleich ablaufen. Zum Beispiel zwei 1/8-Noten und die drei Noten einer 1/8-triole. Mit dem ersten Schlag beginnen beide Notenwerte gleichzeitig. In der Zeit, die zwei 1/8-Noten benötigen, passieren zeitgleich drei Triolenachtel(also eine 1/8-Triole). Es entsteht ein rhythmischer Versatz, der nach dem Ausklang dieser verschiedenen
Notenwerte wieder zusammenführt. In diesem Fall wäre die polymetrische Beschreibung 2 gegen 3.
Es gibt einige solcher polymetrischen Figuren, denn es lassen sich theoretisch alle Notenwerte gegeneinander spielen. Nur sind nicht alle auch musikalisch interessant. Ich werde hier nur die Wichtigsten vorstellen und natürlich erläutern, wie man sich ihnen annähert. Dafür verwende ich ein einfaches mathematisches Prinzip, das der Bruchrechnung entstammt. Ich errechne den kleinsten gemeinsamen Nenner durch multiplizieren der beiden Werte miteinander.
2 gegen 3
In diesem Fall ist der kleinste gemeinsame Nenner 6. In folgendem Notenbild ist dargestellt, wie sich sechs Schläge in einem Takt aufteilen lassen(die sechs Schläge werden in diesen Beispielen vorerst mit der Hihat gespielt). Dann werden Akzente so gesetzt, daß die sechs Schläge wieder auf zwei bzw. drei Schläge reduziert werden. Nur noch die Akzente spielend ergeben sich hier im 3/4Takt "2 gegen 3" und im 2/4Takt "3 gegen 2"

Da gerade Takteinheiten, wie hier der 2/4Takt, sich wesentlich öfter und leichter in Popmusik verarbeiten lassen, beziehe ich mich im Folgenden nur auf den 2/4Takt.
Nun also erstmal das entstandene Notenbild(Takt1), eine leichte Variation(das zweite Viertel auf Snare gespielt-Takt2) und eine Abwandlung in der "3 gegen 2" schon nicht mehr deutlich gespielt, aber doch noch enthalten ist:

Werden die Aufgaben von Bassdrum und Hihat vertauscht entsteht "2 gegen 3", was vollkommen anders klingt, aber sehr gut mit vorangegangenem zu kombinieren ist.

Wäre die Akzentverteilung im 2/4Takt nicht auf der ersten Note, sondern auf der zweiten gestartet, würde es sich wie folgt verhalten:

Jetzt seid ihr selbst gefragt. Bis jetzt stehen hier schon sieben Varianten, die sich alle hervorragend miteinander vereinen lassen. Am besten alle möglichen Kombinationen ausprobieren.
Zwei dieser Takte könnten zu einem 4/4Takt zusammengefügt werden. Wird jetzt wieder anhand Akzentverteilung reduziert entsteht das nächste Thema - "3 gegen 4":

3 gegen 4
Zuerst wieder die beiden Wege der Annäherung :"4 gegen 3"(3/4Takt) und "3 gegen 4"(4/4Takt):

Auch hier gehe ich nur auf den 4/4Takt ein. Hier ein Beispiel einer möglichen Interpretation:Die Akzente des Beispieltaktes werden auf der Snare gespielt, die nichtakzentuierten Schläge auf Toms verteilt(rechte Hand Snare und Standtom, linke Hand kleines Tom). Ergibt ein sehr geiles Fill in:

Weil die Akzente in Vierer-Gruppen aufgeteilt sind, läßt ganz gut der Paradiddle einbauen, der dann nach zwei Takten wieder auf der rechten Hand landet:

Diese beiden Takte zu einem 4/4Takt komprimiert und den Paradiddle mit Snare und Bassdrum gespielt ergibt sich folgendes Pattern. (Jetzt noch einen Akzent auf die Snaredrum auf der Zählzeit "3" und es entsteht ein komplexer Groove im "halftime-feel"):

Das sind nur die Anfänge. In dieser Materie stecken unendlich viele Möglichkeiten. Einfach rumprobieren. Ihr werdet sehen.
Viel Spaß damit!
Schlagzeugschule Berlin